"Medizin [...] bescheidener Anteil [...] in erster Linie verbesserte Lebensbedingungen waren un
- Anja Herzog
- 4. Apr. 2017
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Die Regelung der Wasser- und Abwasserversorgung, die Lebensmittelkontrollen, die Überwachung der gesundheitlichen Versorgung – Aufsicht der Mediziner unterlag im 17 Jhd. den Territorialfürsten.
Johann Peter Frank forderte bereits zur Mitte des 18.Jhd. die Etablierung eines sozialmedizinischen Gesundheitssystems. Er stellte die Zusammenhänge zwischen Krankheit und Lebensbedingungen dar. Indikatoren hierfür waren die Hygiene, Präventionsmaßnahmen sowie die Arbeitszeiten und die Sorge der Bevölkerung. Eine Herausforderung bereits zum damaligen Zeitpunkt die Implementierung dieser Forderungen in der Bevölkerung. In Berlin lebten zum damaligen Zeitpunkt 1 Million Menschen.
Max Pettenkoffer überführte in der Mitte des 19. Jhd. den Begriff der Sozialhygiene in das Deutsche. Ursprünglich resultiert dies aus dem französischen. Der Begriff der Sozialhygiene – der „Gegenspieler“ zur monokausalen Krankheitsbewegung. M. Pettenkoffer gebührt die Darstellung der Bodentheorie im Zusammenhang der Cholera.
Wissenschaftlich untermauert wurde der Begriff durch Alfred Grotjahn zum Ende des 19. Jhd. Hierzu nutzte er als Fundament die Bereiche der Medizin, der Nationalökonomie, der Sozialwissenschaften und die Bevölkerungsstatistik.
In der Zeit der Industrialisierung stieg mit zunehmenden Bevölkerungswachstum die Zahl der Verelendung an. Dies führte 1920 zur Etablierung einer kommunalen Gesundheitsfürsorge. Sie fokussierte u.a. Kinder, Jugendliche, Mütter- und Säuglinge, Arbeitslose, Suchtkranke. Desorganisationen im Gesundheitswesen führten 1932 zu einem Gesetzerlass zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens. Zum damaligen Zeitpunkt bestand das Bedürfnis der Neuorientierung in der Bevölkerung. Die defizitäre Infrastruktur, der erheblich kulturelle Rückschritt, die Inflation, die Weltwirtschaftskrise trugen dazu bei. Die gesundheitliche Versorgung war bis ca. 1940 an die gesundheitlich unterversorgten Bevölkerungsgruppen adressiert und wurde vor allem durch die Disziplinen der Epidemiologie, der Hygiene, der Prävention und der Mikrobiologie geprägt.
Die Betrachtung der Gesundheit und dessen Auswirkungen wurden als Legitimation der Rassenhygiene in der Zeit des 2. Weltkrieges missbraucht. Im Vorfeld differenzierten die Menschen in lebenswerten und lebensunwerteren Leben. Basierend auf den Negativerfahrungen wurde das Angebot eines Konzeptes für School of Public Health in Heidelberg 1948 nicht realisiert. Weiterhin findet sich ein Zusammenhang in der Weiterentwicklung der kurativen Ausrichtung, des technischen Fortschrittes.
In den 60 / 70 iger Jahren professionalisierten sich Nichtärztliche Berufe. In den 80 iger Jahren fand erstmalig eine Gegenveranstaltung des Ärztetages statt – der Gesundheitstag. Public Health als Lösungsinstrument für finanzielle und strukturelle Probleme. Zu diesem Zeitpunkt wurde die disziplinäre Ausrichtung bereits erweitert und differenzierter dargestellt. Zu der zentralen Thematik der Epidemiologie differenzierte sich die Hygiene in Sozial- und Umwelthygiene. Die Prävention war weiterhin unveränderter Gegenstandsbereich. Hinzutraten organisatorische Ansätze wie der Versorgungsforschung und der Gesundheitssystemforschung, sowie der Gesundheitsförderung.
Die Aufgaben der Gesundheitswissenschaften richten sich zum einen nach der Betrachtung der körperlichen, psychischen und gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit. Der systematischen Erfassung von gesundheitlichen Defiziten in der Bevölkerung und deren Konsequenzen auf die Strukturen und Organisationen der gesundheitlichen Versorgung.
In der geschichtlichen Entwicklung der Monodisziplin - Medizin breitete sich ein Optimismus aus. Dieser ließ wesentliche Aspekte der Gesundheit außer Acht.
„Dass die Medizin hieran nur einen vergleichsweise bescheidenen Anteil hatte und es tatsächlich in erster Linie verbesserte Lebensbedingungen waren und sind, die menschliches Leben verlängern, das wurde damals (wie gelegentlich auch heute) gern übersehen.“
(Kübler-Ross 2009: 11)
Dieser Wortlaut untermauert zusätzlich 1969 die Notwendigkeit einer multidisziplinären Ausrichtung.
Was definiert die Begriffe der Gesundheit und der Krankheit?
Hierzu existieren einige Institutionen, Personen die sich umfassend mit dieser Thematik auseinandersetzen oder bereits gesetzt haben. Einen winzigen Einblick zu der Thematik: ausgehend von dem Gesundheits- Krankheitskontiniuum….

04.04.2017; Anja Herzog



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